Helm auf – auch auf dem E-Scooter

E-Scooter (Symbolbild)

E-Scooter, E-Tretroller oder auch Elektro-Tretroller, egal, wie man sie nennt, sie sind seit Sommer 2019 kaum noch aus den Städten wegzudenken. Dient der E-Scooter doch dazu, um kurze Entfernungen zu überbrücken, ohne zu fuß gehen, oder „Öffis“ benutzen zu müssen.

Update 05.07.2021 ↓ Es noch viel passiert ↓

Ich vermute, die meisten E-Rollernutzer:innen, sind wie ich und besitzen keinen eigenen E-Scooter, sondern leihen sich ihren Roller spontan bei einem der vielen Anbieter auf dem Markt.

Max. Geschwindigkeit E-Roller

Maximal 20 km/h fahren die Tretroller mit Elektroantrieb. Ein „kick“ und am „Gashebel“ gedreht, schon beschleunigt man relativ schnell auf Höchstgeschwindigkeit, die einem, wenn man auf dem E-Scooter steht, gar nicht mal so schnell vor kommen mag. Kein Wunder, dass kaum jemand der Nutzer:innen einen Helm trägt. Fühlt man sich doch bei 20 km/h ziemlich sicher und „Frau oder Herr der Lage“.

Fahrräder und Helme

Fragt man Fahrradfahrer:innen, eine Gruppe, die gemeinhin durchschnittlich als „Bio-Radler, also ohne Hilfe über Elektromotoren (wie bei Pedelecs, S-Pedelecs oder E-Bikes) eine ähnliche Geschwindigkeit erreichen, wie ein E-Scooter, so sind sich zumindest nach außen hin viele einig: „Fahrrad fahren nur mit Helm“. – Auch wenn die bittere Wahrheit ist, dass 2020 nur ungefähr ein Viertel wirklich mit Helm fuhren. (vgl.)

Helm schützt den Fahrradfahrer:innen

Jeder weiß, wenn man beispielsweise mit einem Auto zusammenprallt, oder „einfach“ stürzt, ist der Kopf ohne Helm der ungeschützeste und empfindlichste Körperteil. Verletzungen bei denen der Kopf beteiligt ist, sind häufig schwer. Vor allem wenn noch das Gehirn mitbetroffen ist.

Studien zeigen, wer einen Helm trägt, ist eher vor schweren und tödlichen Fahrradunfällen geschützt, als Radfahrer:innen ohne Helm (vgl.) Eine Helmpflicht besteht trotzdem noch immer nicht für Fahrradfahrer:innen in Deutschland.

E-Scooter und Helme

So eine Helmpflicht besteht auch nicht bei den seit 2019 auf deutschen Straßen erlaubten E-Scootern. Und tragen bei den Fahrradfahrer:innen nur 26% einen Helm, geht die Wahrscheinlichkeit eine:n Fahrer:in eines E-Rollers mit Helm auf dem Kopf zu treffen, gegen null. Auch ich muss leider zugeben, dass ich bisher, anders, als wenn ich auf dem Fahrrad sitze, keinen Helm trage.

Nur wenige Leihanbieter von E-Scootern bieten auch einen Helm an

Es ist eigentlich keine Entschuldigung, aber dass ich bisher keinen Helm beim Fahren eines E-Tretrollers getragen habe, mag daran liegen, dass ich die Scooter bisher immer spontan ausgeliehen habe und kein – nein, kaum ein Anbieter zur Leihe des E-Scooters auch einen Helm mit anbietet. Wenn ich zu fuß in der Stadt, ob in Hamburg oder Lübeck unterwegs bin, habe ich keinen Helm im Rucksack. Den habe ich nur dabei, wenn ich mit dem Rennrad oder Gravelbike unterwegs bin.

Wäre doch nur ein Helm dabei

Ich glaube, das wäre anders, wenn an dem E-Scooter, den ich ausleihe auch ein Helm dabei wäre.
Irgendwie wäre es dann immer noch etwas „bäh“, weil ich den Helm eines anderen tragen müsste, aber hier gäbe es Möglichkeiten einen Leihhelm zu reinigen. – Und vielleicht, nein, ganz sicher geht Sicherheit auch vor dem „Ekelgefühl“.

In Hamburg ist mir nur ein Anbieter bekannt, an dessen E-Scootern ein Helm zu finden ist, den man tragen könnte. Alle anderen bieten nur den Scooter zur Kurzleihe an.

In Lübeck, wo ich ebenfalls viel unterwegs bin, hat kein Anbieter meines Wissens nach, einen Helm mit im Angebot, obwohl alle in ihren Apps und Hinweisen empfehlen, dass man beim Fahren ihrer E-Scooter einen Helm tragen solle. Und es macht auch Sinn, einen Helm zu tragen (mehr dazu gleich). Daher würde ich es besser finden, wenn alle Anbieter beim Ausleihen einen Helm dabei hätten bzw. mit anbieten müssten.

Helm auf beim E-Scooter

Aber ob das alleine helfen würde, dass jeder der Fahrer:innen einen Schutzhelm trägt? Ich mag es bezweifeln, wenn selbst die, die einen E-Scooter ihr Eigen nennen, aus meinen Beobachtungen heraus keinen Helm tragen.

Dabei wäre es so wichtig. Nicht anders, als beim Fahrradfahren ist man auf dem E-Scooter völlig ungeschützt und der Kopf eines der empfindlichste Teile an uns Menschen.

Darum Helm – aus Schaden wird man klug

Bestätigung für diesen Umstand bekam ich in dieser Woche leider persönlich aus nächster Nähe.
Weil ich mit dem Zug nach Lübeck gefahren bin und zu meinem Termin an meiner Uni noch einiges an Zeit hatte, habe ich mir spontan einen Tagespass für einen der E-Scooteranbieter in Lübeck gekauft und wollte gemütlich damit zur Uni fahren.

Das habe ich auch getan und wie du dir denken kannst, ohne Helm. Das Wetter war gut und als ich nach 15 Minuten an der Uni angekommen war, hatte ich noch immer genügend Zeit. Also bin ich noch eine Runde mit dem E-Scooter gefahren. – Ich hatte ja einen Tagespass. Bis auf die Altstadtinsel bin ich gekommen. Nein, sogar wieder bis davor. Ich war hinter dem Holstentor, als ich beschloss, langsam, könnte ich zur Uni fahren.

Der Unfall

Und dann ist es passiert. Ich hatte gerade wieder die Altstadtinsel, befahren, als ich auf einer Kreuzung, bei der man sich den Radweg mit den Fußgängern teilt, an der Ampel los fuhr, rechts neben mir jemanden sah, bei dem ich mir nicht sicher war, ob die Person mir in die Quere kommen könnte und ich nicht überfahren wollte.

Unter mir, der Person und dem E-Scooter war ein kurzer Weg mit Kopfsteinpflastersteinen gepflastert. Weil ich der Person ausweichen wollte, muss ich mit den Reifen, in eine Rille der Steine gekommen sein, blieb dort zwischen hängen, oder vielleicht war es auch schon der Bordstein. Wie dem auch sei, ich kam ins Schlingern, kam aus dem Gleichgewicht – wobei, das kann nicht ganz sein, denn ich schlug vorne mit dem Kopf… Tja, ich glaube, ich schlug gegen mein iPhone, was sich und der Handhalterung auf dem Lenker befand. Ich weiß das nicht ganz genau. Ich weiß nur, dass vor meinen Augen etwas sehr nahe kam, schwarz wurde und ich dann auf der Seite auf dem Boden lag.

Ersthelfer

Eine Frauenstimme rief mir zu: „Liegen bleiben! Liegen bleiben!“
Ich wollte reflexartig wieder aufstehen. Ich habe nicht gespürt, dass mir etwas passiert war.
„Bleib liegen“, rief die Stimme wieder. „Ich nehme dir deinen Rucksack ab und lege ihn unter deinen Kopf, aber bleib liegen. Du blutest am Kopf.“ Eine weitere Frau hörte ich, wie sich versuchte, die Rettung zu holen, aber erzählte, dass sie kein Netz bekomme.

Polizist gibt den Scooter frei

Eine Streifenwagenbesatzung der Polizei muss in der Nähe gewesen sein, oder den Unfall bemerkt haben und war, gefühlt, im gleichen Augenblick neben mir und sperrte die Kreuzung. Der freundliche Polizist war so nett, denn als ich auf dem Boden lag, hatte ich nur im Kopf, ich müsse doch den Scooter freigeben, der übrigens nicht einmal einen Kratzer davon trug, und mich abmelden, und übernahm das für mich, nachdem ich ihm mein iPhone gab. Zwischenzeitlich hatte ein Passant „Netz“ und rief die 112. So schnell, wie die Polizei da war, war dann auch der RTW und dessen Besatzung bei mir.

An dieser Stelle eingeschoben. Vielen Dank an die Ersthelfer und ich bin beeindruckt, dass alles wie im Lehrbuch abgelaufen ist. Mir wurde sofort geholfen. Niemand hat mich liegen lassen und nicht mal Gaffer habe ich direkt bemerkt, das mag aber an meinem Schock gelegen haben. Auch vielen Dank an die freundliche Polizei des Landes Schleswig-Holstein in der Stadt Lübeck, beide Beamte waren freundlich und fürsorglich, gleiches gilt für die RTW-Besatzung. DANKE noch einmal!

Im RTW

Zwischenzeitlich hatte ich bemerkt, dass ich an der Stirn blute und habe das Blut mit einem Taschentuch aus einer Taschentuchpackung, die ich bei mir trug, versucht zu stillen.
Die RTW-Besatzung fragte mich, ob ich aufstehen könne und ihnen in den RTW folgen. Dort behandelte mich ein Rettungsassistent und eine Praktikantin, der andere Kollege übernahm wohl den Funk und tat irgendwas anderes, was nicht in meinem Blickfeld war.

Im RTW konnte ziemlich schnell festgestellt werden, dass ich mir offensichtlich Gesichtsverletzungen, unter anderem eine Platzwunde auf der rechten Augenbraue und Schürfwunden am und um meinem rechten Auge, sowie auf der Nase zugezogen habe. Außerdem noch Abschürfungen an beiden Händen.

Die Platzwunde am Kopf

Die größte Verletzung war oder ist noch, die Platzwunde auf der Augenbraue. Diese sollte mich dann auch an mein geplantes Ziel, meiner Uni bzw. dem UKSH Lübeck bringen – allerdings anders, als ich eigentlich wollte.

Die Platzwunde musste mit vier Stichen in der Kiefer- und Gesichtschirurgie des Uniklinikums genäht werden. Dabei wurde, wie es bei solchen Unfällen üblich ist, ein Röntgenbild, bzw. im Fall meiner Uniklinik eine DVT (Digitale Volumentomographie) gemacht. So konnten Brüche im Gesicht und Schädel ausgeschlossen werden. Auch für Verletzungen des Gehirns gab es keine Anhaltspunkte.

Vier Stiche und ein blaues Auge

Somit konnte ich mit vier Stichen und wie sich einen Tag später deutlich zeigte, einem ordentlichen blauen Auge das UKSH Lübeck wenige Stunden später wieder verlassen. 



Darum Helm auf auch auf dem E-Scooter

Ich bin wahrlich mit einem blauen Auge davon gekommen!

Da ich den Aufbau meines Fahrradhelmes kenne und ich denke zu wissen, an was ich mir den „Kopf aufgeschlagen“ habe, bin ich mir ziemlich sicher, dass der Unfall mit Helm zumindest unblutig ausgegangen wäre. Der Helm hätte meine Stirn und mein Auge vor dem, auf was ich „geknallt“ bin, mit hoher Wahrscheinlichkeit geschützt. Der Helm währe wohl gebrochen, aber das ist seine Aufgabe mich zu schützen. Die Abschürfungen der Haut, besonders an der Hand hätte ich trotzdem davon gezogen, aber mein Kopf wäre unbeschadet. Die Abschürfungen sind mir egal!

Glück gehabt?

Am Ende hatte ich eine Menge Glück. (Nicht ganz, siehe ) Ich habe „nur“ eine Platzwunde über dem Auge und ein blaues Auge. Aber ich hätte auch mit dem Schädel auf die Fahrbahn, also die Kopfpflastersteine schlagen können. Mein Schädel wäre ungeschützt gewesen. Dabei hätte ich mir schwerste Schädel-Hirn-Traumata zuziehen können, vor die mich ein kleiner Helm hätte schützen können. (Update, am Ende war es doch fast so, siehe )

Nicht Maximalgeschwindigkeit vom E-Scooter

Und dabei war ich nicht einmal schnell. Ich fuhr nicht die Maximalgeschwindigkeit von 20 km/h, da ich gerade erst wieder anfuhr.

Der Unfall wäre mir, das möchte ich erwähnen, so auch an der Stelle mit dem Fahrrad passiert.
Es war nicht die Schuld des E-Rollers. Aber beim Fahrradfahren hätte ich einen Helm getragen, beim E-Scooterfahren tat ich das nicht. Das war meine Nachlässigkeit.

Ein Helm hätte mich geschützt.

Darum möchte ich an dich und alle anderen appellieren, egal, ob Fahrrad oder E-Scooter, trage einen Helm beim Fahren. Kaum ein:e Motorradfahrer:in würde ohne Helm fahren. Helme schützen auch uns Fahrrad- und E-Scooterfahrende.

Dein

Autogramm von HoernRockz

Update 05.07.2021

Dachte und schrieb ich noch, als ich den Artikel ein paar Tage nach dem Unfall verfasste, dass ich mit der „kleinen Platzwunde“ Glück gehabt hätte, sollte sich das vor wenigen Tagen „dramatisch“ ändern. – Wobei ich „dramatisch“ irgendwie doch in Anführungszeichen setzen möchte.

Was ist passiert?

Am 01.07. wollte ich mir von meiner Hausarztpraxis eine Überweisung zur Nachkontrolle der Platzwunde und zum Fädenziehen in der Klinik geben lassen, in der die Wunde erstversorgt wurde. Ungefähr eineinhalb Tage zuvor wurde mir plötzlich übel – richtig schlecht, so dass ich mich morgens im Schwall übergeben musste und mir war schwindelig.

Ich sprach darüber mit der Ärztin, die mir die Überweisung ausstellte, um dies noch einmal abzuklären. Ich hatte dabei gar nicht so sehr den Unfall von vor einer Woche und einen Tag im Kopf. Die Ärztin bat mich aber, in Hinsicht auf die Kopfverletzung, darum, es besser in der Notaufnahme des UKEs abklären zu lassen.

Im UKE

Das tat ich und begab mich rüber in die Notaufnahme/ZNA des UKEs. Dort wurde mir, nach einem kurzen Arztgespräch, Blut abgenommen. Gefühlt waren es nur wenige Minuten, bis die ersten Werte vorlagen und die bedeuteten, dass man mich „hinlegen“ wollte und ich direkt vom Wartesaal direkt in die ZNA kam. Dort wurde mir zunächst unterbreitet, dass man ein CT machen werde und dass wohl einer meiner Blutwerte stark abweichen würde. – Es war mein Natriumwert, der weit unter der Grenze des normalen war (normal sind 135 bis 145 mmol/l, mein Wert lag 15mmol/l darunter). Es sich damit also um eine Hyponatriämie handelte.

Hyponatriämie

Jetzt musste geklärt werden, welche Ursache die Hyponatriämie hat und der Natrium-Spiegel musste erhöht werden. So durfte ich zunächst die Nacht in der ZNA überwacht verbringen, denn den Natriumspiegel kann man nicht über Infusionen ohne Überwachung erhöhen.

Am nächsten Morgen war noch nicht ganz klar, wie es zur Hyponatriämie kam. Bis dahin war jede Menge Blut genommen worden, das CT ausgewertet.

Das CT war o.B., also wie am Tag des Unfalls das DVT. – Der Natrium-Spiegel stieg schnell; zu schnell, so dass ich von der ZNA nicht entlassen wurde, sondern den Freitag und halben Samstag auf einer der „inneren Station“ des UKEs verbringen durfte.

Auf der Inneren

Dort hieß es zunächst, dass ich wohl bis zum Anfang oder Mitte der nächsten Woche zur Überwachung meiner Blutwerte und Analyse der Gründe der Hyponatriämie bleiben werde.

Samstag morgen, ich fühlte mich schon wieder viel besser (das begann schon Morgen des Freitags), wurde mir noch einmal fünf Blutproben entnommen. Eine davon diente der Bestimmung meines Hormonhaushaltes, denn wenn das antidiuretischem Hormon (ADH) gestört ist – zunächst einmal aus welchen Gründen auch immer, kann es zu einer Hyponatriämie kommen.

Am Nachmittag waren meine Werte ausgewertet und unter den Oberärzten besprochen.

Ergebnis

Das Ergebis war, dass ich sehr wahrscheinlich bei dem Unfall eine Gehirnerschütterung erlitten habe, die dazu führte, dass mein Hormonhaushalt dezent gestört war, was zur Hyponatriämie führte. Die kann bei einer Gehirnerschütterung passieren.

Da dies nun erst einmal geklärt war, konnte ich noch am Nachmittag die Klinik verlassen und entlassen werden.

Warum

Warum ich das jetzt noch einmal alles schreibe? Ganz einfach, verdammt noch einmal, setz‘ deinen verdammten Helm auf (egal ob Fahrrad oder Scooter)! Ich bin gar nicht so sehr mit einem „blauen Auge davon gekommen“, wie ich zunächst dachte.

Ich bin nach einer Woche fast intensivpflichtig geworden. Viel weiter durften meine Natriumwerte nicht sinken. Die Werte waren kritisch und das alles nur wegen einem ganz kleinen, zunächst einmal harmlos wirkenden Unfall.

Generell, nehme Unfällen nicht auf die leichte Schulter. Auch ein leichter Unfall kann folgenschwere Konsequenzen haben. Ich hoffe sehr, dass meine Ärztinnen und Ärzte mit den Folgen des Unfalls die Gründe der Hyponatriämie gefunden haben und ich das nicht noch einmal durchstehen musste.

Ich möchte dir gestehen, ich hatte das erste Mal richtig Angst um mein Leben. Ich dachte immer, mir sei mein Leben egal. Es ist mir weniger egal, als ich einmal dachte. Auf der ZNA, an den üblichen Geräten, konnte ich nachdenken. Ich bin wieder ein Stückchen geerdet worden.

Update Ende 😉

Bildnachweise:
Titelbild E-Scooter (Symbolbild) von aixklusiv
Minifiguren-MRT von Marco Federmann alle auf Pixabay

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