NYC Gay Pride Parade 2011 von Flickr-User: JoeInQueens (CC-Hinweise beachten)

CSD / Pride Parade-Saison – Ein Kommentar

Ich bin ein Fan von klaren Worten und Taten bei Meinungen. Nicht viel Schnörkel, „Gutgerede“ und drumherum, sondern direkt raus.

NYC Gay Pride Parade 2011 von Flickr-User: JoeInQueens (CC-Hinweise beachten)
NYC Gay Pride Parade 2011 von Flickr-User: JoeInQueens (CC-Hinweise beachten)

Ich bin niemand, der sich versteckt, weil er so ist, wie er ist. So stehe ich dazu, Emo zu sein, auch wenn es für andere ein Schimpfwort sein mag, genauso stehe ich dazu unentschlossen schwul zu sein. Heißt, ich bin bisexuell, vielleicht mit einem Tick mehr zu Männern geneigt.

Vor meinen Eltern hatte ich schon lange mein Coming-Out, auch in der Schule war es nie eine Unbekannte. Wer mich in der Uni fragt: „Bist du schwul“, dem sage ich: „Ja, bin ich!“ und trotzdem würde ich mir nicht ein Schild um den Hals hängen oder eine PostIt-Notiz auf die Stirn kleben: „Ich bin schwul!“. – Es hängt sich auch niemand ein Schild um den Hals: „Ich bin hetero!“
Ein tuckiges Verhalten liegt mir fern.

Ich glaube, die meisten schwulen, lesbischen und bisexuellen werden es mehr oder weniger ähnlich handhaben und doch machen sich nicht wenige Homosexuelle, vor allem Männer an ein paar Tagen im Jahr zu Freaks. Dabei spreche ich von Tagen der Christopher Street Days (CSD) bzw. den (Gay) Pride Parades.

Entstanden die Paraden als Erinnerungen und Mahnmahl an den 28. Juni 1969, um die Rechte von Homosexuellen und Transgendern zu stärken, nachdem es in der New Yorker Bar Stonewall Inn, in der Christopher Street im Greenwich Village nach gewalttätigen Razzien der Polizei gegen Homosexuelle zu anschließenden Straßenschlachten zwischen Homosexuellen und der Polizei kam, so sind sie heute doch in vielen Bereichen doch nur noch ein Schaulaufen des Kommerz und von Freaks geworden.

Eine politische Aussage findet doch immer weniger statt.
Natürlich fahren Trucks der großen politischen Parteien auf den CSDs mit, auch wird jede Parade unter einem politischen Motto gestellt und dennoch ist das ganze ein Schaulauf von, für Personen, die der Materie fremd sind, – man möge mir den Begriff verzeihen – Freaks.

Es ist eine Freakshow mit einer für mich völlig falscher Aussenwirkung und lauter mehr oder weniger kleinen Witzfigueren, die der Sache an sich weniger dienlich sind, als sie denken.

Es geht auch anders! - Phoenix Gay Pride Parade von Kevin Dooley (CC-Hinweise beachten)
Es geht auch anders! - Phoenix Gay Pride Parade von Kevin Dooley (CC-Hinweise beachten)

Viele von ihnen prägen ein Bild, was die, nein, wir Schwulen und Bisexuellen (und ich spreche mit Absicht vor allem von Männern, da die Frauen, also Lesben viel weniger zu diesem übertriebenen neigen) gar nicht sind.

Mal ganz ehrlich, wer von uns Schwulen rennt denn so rum, wie eine nicht geringe Anzahl von Teilnehmer das Bild dort prägen?

Welcher Schwule rennt den ganzen Tag, oder überhaupt mit Ledercap, Chaps und Harness rum?
Welcher Schwuler hat den ganzen Tag einen Knickarm, extremst enge und kurze Jeans-Hotpants an?
– … Außer jetzt in den Vorurteilen, in Witzen, YMCA und und den Vorurteilen von Homophoben?

Also ich habe weder Ledercap, noch Chaps, noch Harness. Ich hab nicht mal Lederklamotten, noch würde ich mich im Alltag so vor meine Mitmenschen begeben.

Welcher Schwule oder Transgender läuft rum wie Olivia Jones?
Keine Frage, ich finde die Kunstfigur Olivia Jones toll, aber ist so ein Transgender? Klar, jetzt wird die Antwort sein, nein, sie ist auch kein Transgender, sie ist eine Drag Queen. Ja, ist sie, aber das heißt auch, sie ist nicht Alltag!

Schrill, bunt und abgefahren, oder in Leder gekleidet, mit Ring der O und Kette um den Hals?
Das ist schwul? Ja, glaubt man den Bildern der Medien, die von den Pride Parades und CSDs berichten.

So wie die Typen auf den CSD oder Pride Parades auftreten, unterstützen sie mehr die Vorurteile, gegen die sie kämpfen wollen und sollen, als dass sie diese bekämpfen.
Schlimmer noch, sie machen sich zu Freaks, statt Botschaftern.

Ich sage nicht, dass es falsch wäre, Aufmerksamkeit zu erhalten und vor allem sage ich nicht, dass es falsch ist, auf die Missstände hinzuweisen.
Daraus aber eine Freakshow zu machen und an sich damit noch mehr die Vorurteile zu bestätigen, ist der Sache einfach nicht dienlich und kommt mehr und mehr der Lächerlichkeit gleich, als das es hilfreich ist für die Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender, die alltäglich in ihrem Alltag gegen Homophobie und für Verständnis in der Familie, bei Freunden, in der Schule, der Uni, am Arbeitsplatz, vor Behörden, bei Bekannten und Nachbarn kämpfen.

Und gerade weil es diese Freakshow ist, macht es bei einer solchen Parade Politik schwer möglich.
Hinzu kommt der Kommerz. Alles und jedes kann man kaufen, alles soll hip sein, alles käuflich, alles ist Spaß und alles Party.

Nichts gegen Party und auch einen Teil Kommerz, niemand hat etwas zu verschenken. Es muss alles refinanziert werden.

Party finde ich gut, auch Spaß und auch damit kann man eine Nachricht rüberbringen.
Sich aber der Lächerlichkeit preisgeben und ein Bild zu spiegeln, wie es gar nicht ist, halte ich für überflüssig und falsch.

Aber was weiß ich schon…
Ich habe zu den Zeiten als Homosexualität noch verboten war, oder gar als der CSD seinen Lauf nahm, noch gar nicht gelebt. Ich war nicht mal eine Zelle in meinen Erzeugern.

Es ist nur meine kleine Meinung und mein Kommentar.

Diese Diskussion begann ich übrigens unter anderem auf Twitter und Google+. Einen Teil dieses Textes habe ich für den Kommentar verwendet.

Greetz

Autogramm von HoernRockz

 

 

 

Hin- & Bildnachweise:
Der Artikel wurde erstmalig am 08. August 2011 veröffentlicht.

Die gezeigten Bilder stehen unter einer Creative Commons-Lizenz, die du hier nachlesen kannst.
DSC_0298 – NYC GAY PRIDE PARADE 2011 von JoeInQueens
Phoenix Gay Pride Parade von Kevin Dooley (kevindooley)