Blutspende - Die Bildquelle steht unter CC-Lizenz, bitte Hinweise beachten -

Blut wird knapp – Spende Blut, doch darfst du Blut spenden? Homo und Bisexuelle dürfen nicht

Blutspende - Die Bildquelle steht unter CC-Lizenz, bitte Hinweise beachten -
Blutspende - Die Bildquelle steht unter CC-Lizenz, bitte Hinweise beachten -

Dieser Artikel erschien bei uns bereits am 14. August 2009, da der Inhalt des Artikels wieder an weiterer Aktualität durch den Lesben- und Schwulenverband (siehe hier) gewonnen hat, möchten wir ihn gerne noch einmal auf die Startseite holen und über die Aktion Schwules Blut berichten.

Wie nahezu jedes Jahr wird in den Sommermonaten in Krankenhäusern das Blut knapp und die Blutspendedienste rufen dazu auf, zu spenden.
Sie werben damit, dass jede Spende zähle. Schließlich könne eine Blutspende für einen anderen Menschen lebensentscheidend sein!

Doch zählt wirklich jede Spende?

Nein, denn einige Personengruppen werden einfach anhand ihrer Sexualität von vornherein auf Dauer vom Blutspenden ausgeschlossen.

Wer homo- oder bisexuell ist und offen bei einer Spende dazu steht, wird ohne zu spenden wieder weggeschickt und auf Dauer für die Blutspende gesperrt.

Nur weil man homo- oder bisexuell sei, wäre man nicht pauschal krank oder sei gefährlich, so der Vereinssprecher des Vereines „Schwules Blut“ Lars Haucke Martens und spricht von Diskriminierung.

Schließlich stellt man durch Tests, die bei jeder Blutspende heute durchgeführt werden muss, fest, ob das Blut geeignet ist.
Immer mehr Politiker aus allen großen Parteien schließen sich diesem Gedankengang an und fordern eine Aufhebung dieser Vorgehensweise.

Doch dafür verantwortliche Paul-Ehrlich-Institut hält an der geltenden Gesetzesgrundlage fest. So teilt die Pressesprecherin und Biologin des Instituts Susanne Stöcker mit: „Natürlich ist das Gesetz eine Gratwanderung, aber die Zahl der Neuinfektionen liegt bei homo- und bisexuellen Männern mit 70 Prozent am höchsten (…) Wir müssen die Gefahr von Infektionen bei Blutkonserven so gering wie möglich halten. Dafür müssen wir den Preis zahlen, dass sich einige diskriminiert fühlen“

Um dies genauer bewerten zu können, muss man wissen, dass etwa nur 1% der homosexuellen und bisexuellen Männer an einer HIV-Infektion leiden.
Mehr als 70% aller homosexuellen und bisexuellen Männer, die wechselnde Geschlechtspartner haben, führen ausschließlich „safer Sex“ mit Kondomen. Dieser Wert ist seit mehr als 15 Jahren konstant hoch. Im Gegensatz sinkt bei den heterosexuellen Personen die Nutzung von Kondomen seit dem Jahr 2003 kontinuierlich und droht unter 70% zu fallen.
Rund 50% aller homosexuellen und bisexuellen Männer leben in einer festen Partnerschaft ohne wechselnde Geschlechtspartner.

Folgende Personengruppen sind laut Richtlinien zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten (Hämotherapie) der Fußnote 14 u.a. auf Dauer von der Blutspende ausgeschlossen:

  • homo- und bisexuelle,
  • weibliche, wie männliche Prostiuierte,
  • drogen, alkohol- und medikamentensüchtige,
  • Häftlinge, sowie
  • Personen nach einem Aufenthalt im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland von insgesamt mehr als 6 Monaten in den Jahren 1980–1996 oder nach einer Operation und/oder Transfusionen (Blutkomponenten) im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland nach dem 01.01.1980 (Creutzfeld-Jakob/BSE)

Dieses gilt als Ergänzung zu „Personen, deren Sexualverhalten oder Lebensumstände ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten (HBV, HCV oder HIV) bergen“, Punkt 2.2.1 Kriterien für einen Dauerausschluss.[1]

Damit werden homo- und bisexuelle trotz eines Testes, der sowieso durchgeführt wird, mit Süchtigen und Prostituierten gleichgestellt.

Allerdings viel mehr muss man sich auch die Frage stellen, was mit heterosexuellen Personen ist, welche mit bisexuellen Sex haben.
Diese können ohne Bedenken Blusspenden.

In anderen Ländern, wie zum Beispiel Frankreich ist man an dieser Stelle schon weiter und stellt diesen egal welchen Geschlechst sie sind und welcher sexuellen Orientierung fragen zu ihrem Sexualleben. Anschliend wird dann von einem Arzt bewertet, ob die Person blutspenden darf oder nicht.

Mehr Informationen sind auf den Seiten des Vereins „Schwules Blut“ zu finden.

Wir würden gerne deine Meinung dazu erfahren und freuen uns über eine Diskussion in den Kommentaren.

Quellen/Hinweise:
Schwules Blut

Lübecker Nachrichten Online vom 14. August 2009: „Blut wird knapp – aber Homosexuelle dürfen nicht spenden“ (pdf-Dokument auf den Seiten von Schwules Blut)
Lübecker Nachrichten Online vom 14./15. August 2009: Kommentar: Unverständlich (pdf-Dokument auf den Seiten von Schwules Blut)
[1]PDF-Dokument: „Personen, deren Sexualverhalten oder Lebensumstände ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten (HBV, HCV oder HIV)“
(leider nicht mehr online verfügbar)

Bildquelle:
Bloggerblut“ des Flickr-Nutzers: „digiom“ steht unter „Creative Commons-Lizenz