| Kurze Wege, die einen ein Leben begleiten werden |
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| Geschrieben von: HH |
| Mittwoch, 19. März 2008 um 23:54 Uhr |
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So eine Person habe ich etwa eineinhalb Jahre vor meinem Abi kennen gelernt, kurz zu vor wurde er Leiter der Oberstufe meines Gymnasiums. Zwar wusste ich schon vorher, dass er an unserer Schule unterrichtet - er unterrichtete den Parallelkurs in Chemie, aber ich habe bis zu diesen Tag keinen Kontakt, nicht einmal als Schülersprecher zu ihm gehabt. Unser erster Kontakt war ein Dienstagmorgen, das weiß ich noch genau. Mein Lateinlehrer, der Ihr Vorgänger als Stufenleiter war und in dem Jahr Rente gehen sollte, drohte mir an diesem Tag mal wieder damit, dass er mir "null" Punkte in Latein geben wolle, da ich zu oft in seinen Kursen gefehlt hätte und ich die Stufe so wiederholen müsse. Ich entschied mich spontan, ihm zuvor zukommen und freiwillig die Klasse zu wiederholen und ging zu Ihrem Büro. Sie sagten zu mir, es sei nicht schlimm das Jahr zu wiederholen. Da wir drei parallele Klassen waren und die Klasse, welcher aus meiner damaligen Sicht der anspruchsvollste gewesen wäre, schon belegt war, kam ich zunächst die Klasse, die nur aus "Mädels" bestand. Dort spürte ich, dass alles anders war. Sie Herr Dr. Koch haben uns mit ihrer Art, obwohl es sicher aus Sicht der Unterrichtspläne formell nicht primär zu Ihren Unterrichtszielen gehörte, gezeigt, die Welt, wie sie ist, kritisch zu betrachten. Herr Dr. Koch, Sie haben uns gezeigt, dass man nicht jeder Quelle "blind vertrauen" solle, sondern sie hinterfragen muss. Sie haben mir mit Ihren Unterrichtsmethoden nicht nur den Spaß an der Chemie zurückgegeben, sondern auch das Rückstzeug (Sie nannten es so), das Leben und die Welt kritisch zu betrachten, nicht jedem zu glauben, sondern ihn zu fragen, welche Ziele er mit seinen Aussagen, Thesen und Argumenten verfolgt. Wer seine Auftraggeber sind. Als ich in der Rede zum Abschluss der Mittelstufe vor den Eltern, Mitschülern, Kollegium, dem Publikum sagte: "Sie haben uns ein umfangreiches Wissen mitgegeben, das uns ermöglicht kritisch zu sein, zu hinterfragen, macht es Sinn und stimmt es, was man uns „Weiß machen möchte", oder wird eine Unwahrheit, etwas nicht stimmiges verbreitet", meinte ich insgeheim speziell Sie! Nie hat mich ein Mensch in so kurzer Zeit so positiv in meinem weiteren Leben beeinflusst, wie Sie es geschafft haben. Ich erinnere mich gerne an die Klausurvorbereitung, die Sie mit uns an vier Freitagen und Samstagen bis Abends weit nach Ihrer Dienstzeit mit uns verbracht haben. Damals haben wir uns sicher gefragt, warum das sein musste, aber Ihre Art machten auch uns die Überstunden zu einem Vergnügen. Kurz vor dem Abschluss der Mittelstufe holten Sie mich aus dem Unterricht, als Sie einer meiner besten Freundinnen sagen mussten, dass Sie nicht in die Oberstufen kommen würde, damit ich sie in den Arm nehmen konnte. Sie hatten Sorgen um sie. Herr Dr. Koch, Sie waren ein Lehrer, wie man ihn sich wünschte, direkt, aber immer charmant und freundlich dabei. Einige von uns, so wie ich, haben Dich sogar geduzt. Du hast nicht auf das Sie, oder gar das Dr. vor Deinem Namen bestanden, dennoch nutze ich es aus Respekt und Hochachtung für Dich. Wir waren auf Deiner Hochzeit und haben uns mit Dir und deiner Frau gefreut. Als mein Paps in den USA den Schlaganfall bekam, hast Du zusammen mit meiner Tutorin und dem Rektor dafür gesorgt, dass ich die Zeit entschuldigt fehlen durfte, um in die USA fliegen zu können. Bei den Anschlägen in New York warst Du auch einer der ersten Lehrkräfte, die mich gefragt haben, wie es mir gehe. Nachdem Unterricht hast Du mich aufgeklärt, wie schädlich Handystrahlen und die des Stromes eigentlich sind. Du hast mir von dem Vortrag eines Profs erzählt, welchen Du, meine ich, in Hamburg verfolgt hast und dass Du daraufhin alle Funktelefone aus Deiner Wohnung verbannt hast. Heute habe ich mit Bestürzung erfahren, dass Du trotz Deines Kampfes gegen den Krebs, bei dem es doch so schien, dass Du ihn besiegt hast, diesen doch verloren hast. Sönke, deine Worte in der Mittelstufenjahrgangszeitung waren: "Wir haben es gemeinsam geschafft. Ihr ward ein Kurs von vielen lieben, netten und symphatischen jungen Leuten, (...) denn gelacht haben wir auch oft." Ja, das haben wir. Du wirst mir immer als ein guter, sympathischer Mensch in Erinnerung bleiben - und als einer, der immer bei uns an der Schule in dritter Reihe parken musste. Wie viel Tickets Du bekommen hast, das weisst wohl nur Du. Noch einmal möchte ich in das förmliche Sie verfallen. Herr Dr. Koch, da wo Sie jetzt sind, hoffe ich, sind Sie glücklich und können dort wirken, wie Sie es auch auf Erden taten. Machen Sie es gut Herr Dr. Koch. Mit Ihnen hat die Schule einen, vielleicht sogar den Besten verloren! Danke, dass Sie uns unterrichtet haben! Valete! |



Es gibt Personen, die begleiten einen im Hinblick auf das ganze Leben nur einen Wimpernschlag, aber oft sind es genau diese Menschen, die einen in den Gedanken und Lebensweisen ein Lebenlang begleiten.