Hendrik aus dem Jahr 2007War während einer Kursfahrt durch die Toskana?
Nein, es geschah noch etwas davor!
Jeder von uns hat ein kleines Geheimnis, heißt es, das stimmt wohl und so habe ich auch ein kleines Geheimnis. Okay, alles wisst ihr wirklich nicht über mich, auch wenn ich relativ extrovertiert auf einige Leser wirken muss – bin ich aber nicht.

Es gibt Dinge, die ich auch für mich behalte und behalten werden. Dennoch möchte ich hier etwas umschreiben, oder relativieren, wie einige von mir mein erstes Mal kennen, denn das was die kennen, war schon das zweite Mal.

Das erste Mal gemerkt, habe ich mit dreizehn, vielleicht auch etwas davor, z.B. nach dem Sport oder Tennis-Training, wenn meine „Freunde“ sich umzogen und ich dann etwas in mir fühlte, das ich nicht definieren konnte. – Eigentlich muss ich wohl sagen, dass ich schon mit zwölf das Gefühl verdrängte. Es war nichts sexuelles, an dem ich dies „festmachen“ könnte, sondern es war ein Verliebtsein in einen Freund. Aber ich weiß nicht, ob man so etwas mit zwölf schon sein kann.

Wie es auch sei, ich habe es damals einfach verdrängt, sowohl das Verliebtsein, wie auch später die ersten Erregungen und mir versucht klar zu machen, dass ich nicht auf „Männer“ stehen kann. Schließlich war ich in ein Mädchen aus meinem Freundeskreis verliebt und wenn man auf dem Dorf aufwächst und in einer Kleinstadt aufs „Gym*1“ geht, ist „Schwulsein“ einfach „unmöglich“.
Gut aussehenden Jungs habe ich wohl schon damals hinterher gesehen, zumindest sagt man das heute.

„Mein erstes Mal“ mit einem gleichgeschlechtlichem Partner war mit sechszehn.
Auch wenn es klischeehaft klingt, es war während einer Kursfahrt mit einem Teil meines Jahrgangs durch die Toskana, zunächst nur mit Küssen am Strand und dann…“
Und genau an diesem Punkt möchte ich „einhaken“.

Bei meinem „ersten Mal“ war ich gar nicht so alt. Es gab einen Punkt, an dem ich selber schon vorher merkte, dass ich schwul bin.
Sehr lange dachte ich nur sehr ungern an diesen Tag zurück. Ein bisschen ist er auch der Grund, warum ich dann noch einmal etwas brauchte, bis ich wirklich sagen konnte, dass ich schwul bin.

Mein „zweites Mal“ war viel schöner, als mein „erstes Mal“, daher habe ich bisher lieber das „zweite Mal“, als mein „erstes Mal“ gesehen und irgendwie soll es das auch bleiben, trotzdem, erzähle ich nun auch von diesem „ersten Mal“.

Vorwort

Aber lasst mich am Anfang beginnen.
Es war im April/Mai 2004, da habe ich so sehr gespürt, dass ich nicht hetero sein kann, dass ich Gewissheit haben wollte.

Ich hatte zu der Zeit keinen Kontakt in der Welt außerhalb des Internets zu anderen Schwulen, weil wir, wie ich bereits schrieb, auf einem Dorf lebten, ziemlich weit ab vom Leben.

Doch, ich hätte diesen Kontakt gehabt, nur wusste ich das zu dieser Zeit noch nicht, da sich wohl nur wenige „Schwuppen“ von uns ein Schild um den Hals hängen: „Henne guck mal, ich bin auch ’ne „Schwuppe“. Wir warten auf dich!“

Ich konnte meine Gefühle nicht einordnen, statt mich vielleicht im Internet zu informieren, oder zu gucken, ob es eine Jugendorganisation für „schwule Jungs“ bei uns in der Nähe gibt, vielleicht in Kiel, Lübeck, Neumünster, habe ich mich auf den „Selbsterfahrungsweg“ begeben.

Zu dieser Zeit im Jahr 2004 wollte ich es unbedingt wissen, ob ich schwul sein könnte.
In dem Alter war ich vielleicht noch zu naiv, auch wenn ich es nie zugeben hätte! So machte ich mich aber auf die Suche, wie ich schnell in Kontakt zu anderen „Schwulen“ treten konnte.

Der Videotext

Sat.1 Videotext-ChatEs gab damals schon einen Videotext- SMS- Chat auf SAT.1, auch mit einer „schwulen Seite“, diese Seite wählte ich mit der Fernbedienung unseres Fernsehers an. – Ich weiß nicht, warum ich nicht einer der schwulen Internetseiten nutzte, die ich zu dem Zeitpunkt schon kannte und auch online war.

Ich zückte jedenfalls mein Handy und meldete mich dann eines Abends bei diesem Chat an. Zuerst hatte ich einen Chat mit den Usern aus der ganzen Republik, die dort anwesend waren, dann ergab sich zufällig, dass jemand aus meiner Nähe online war. Ich habe keine Ahnung mehr, welchen Nick dieser gewählt hatte, aber meiner war, mit ziemlich viel Kreativität gewählt: „Hendrik“. 😉

Ich kenne heute nur noch seinen Vornamen, damit er auch hier einen hat, nenne ich ihn einmal Stephan*2.
Mobiltelefon Motorola v600Also Stephan und ich schrieben uns, damit es günstiger wurde, ziemlich rasch nicht mehr über den Chat, sondern über unsere regulären Handynummern.

Seine gab er mir verschlüsselt über den Sender. x) Diesen Schlüssel hätte eigentlich jeder lösen können. 😉 Er fragte, wie alt ich sei, ich schrieb, weil ich wusste, dass er älter war (ich glaube 21 oder 22, damals) und weil er mein erster Kontakt in der Nähe war, dass ich 19 sei. Ich fürchtete, wenn ich mein Alter schreiben würde, bräche er den Kontakt ab und für das, was noch passieren sollte, wäre mein Alter damals sicher auch kontraproduktiv gewesen.

So schrieben wir uns hin und her und irgendwann wollte er dann auch anrufen. Ich meine, das muss so drei bis vier Tage später gewesen sein. Da ich nun endlich mehr wissen wollte, stimmte ich zu. So rief er mich an einem Morgen an, die Schule war gerade vorbei. – Vielleicht sollte ich an dieser Stelle sagen, dass ich damals noch an meinem „alten“ Gym*1 war, also in einer richtig kleinen Kleinstadt. Melly kannte ich schon, aber die war noch auf dem anderen Gymnasium, in dem ich später Chris kennen lernen sollte.


Das Gespräch und die Post

Telefon/Fax-Kombination Wir telefonierten, er fragte noch einmal, wie alt ich sei und ich wiederholte, da ich den Kontakt, wie er erwähnt nicht verlieren wollte, dass ich 19 sei (war ich ja gar nicht ;)). Er wollte wissen, wie groß ich sei, welche Augen-, Haarfarbe ich habe, ob ich dick oder dünn wäre, mein Gewicht, ob ich sportlich sei, (damals ungefähr 1,65 Meter, blaue Augen, blonde mittel lange Haare, sportlich, 46 kg) eben, wie ich heute weiß, das übliche 😉 und er meinte, er wolle mich kennen lernen.

Er fragte in dem Gespräch, ob ich bereits Erfahrungen habe. Ich wollte nicht als Anfänger dastehen und sagte, dass ich diese bereits hätte.

Stephan fragte, ob ich aktiv oder passiv sei. Ich hatte keine, aber auch wirklich keine Ahnung, was das nun sei. Ich hatte eine Vorstellung, aber heute weiß ich, dass diese falsch war.
Damals dachte ich, aktiv bzw. passiv habe etwas damit zutun, wer der jenige ist, der, hm, wie beschreibe ich das, der aktive der bestimmende beim Sex sei. Ich stellte mir das nicht so vor, dass ich da an eine dominante, sm-ähnliche Beziehungsrolle dachte, sondern der aktive war für mich der, der sagt, was man machen möchte.
Keine Ahnung, platt gesagt, der maskuline Part, wie in einer Mann/Frau- Beziehung, dass es sich auf den analen Verkehrt bezog, wusste ich noch nicht. Ich sagte, dass ich beides wäre und schickte hinter ran, dass ich auf keinen Fall auf SM oder ähnliches stehe! Er erwiderte – Gott sei dank -, er würde es auch nicht.
Danach fragte er, ob ich jemals schon AV gehabt hätte. „Ähm, was? Was is’n das?“, dachte ich. Aber ich wollte mir keine Blöße geben und sagte stolz, ja, das hätte ich.
Wie ich bereits schrieb, war ich sehr naiv und unwissend zu diesem Zeitpunkt, was nun folgt, sollte man so niemals, aber auch niemals nach machen! Ich stimmte zu.

Wir machten einen Termin für einen Montag- Morgen aus, von dem ich wusste, dass an dem Tag die letzten vier Stunden ausfielen, weil zwei Lehrkräfte auf einer Klassenfahrt mit einer Quarta*4 waren und eine andere Lehrkraft mal wieder über längere Zeit krank war.

So stand ich kurz nach 10 Uhr montags morgens an der Hauptpost meines Ortes, an dem ich noch in der „(Unter)-Sekunda“*4 war, mit meinem grünen „Eastpak“- Rucksack, vor einer Telefonzelle.
Stephan hatte mir sein Auto beschrieben. Es sollte ein neuer, grüner Mitsubishi Colt sein, mit den Kennzeichenbuchstaben unseres Kreises.
Er wohnte in der Kleinstadt. Wie sich herausstellen sollte, nur wenige Meter von meiner Schule entfernt.
– Ich schrieb bereits, macht das so, niemals nach.
Wenn ihr euch mit jemanden das erste Mal trefft, niemals bei der Person und schon gar nicht einfach so in ein Auto steigen. Ich kann heute sagen, mir ist nichts passiert, aber das hätte anders ausgehen können! – Mal wieder den mahnenden Finger schwing. 😉 – Hatte ich es schon erwähnt, ich war damals einfach zu naiv. -.-

Okay, zurück zum Thema.

Er kam also mit seinem Auto angefahren. Mein Herz schlug in diesem Augenblick bis zum Hals. Ich war aufgeregt. Erwartete jemanden, der aussieht wie „Quasimodo“, weil ich einfach nicht dachte, dass jemand, der per SMS suchte, gut aussehen könnte. Okay, ich suchte auch, aber ich hatte keinen anderen Weg. 😉
Als ich ihn dann sah, war ich zunächst positiv überrascht.
Er sah gar nicht so schlecht aus. Stephan hätte sicher, oder hat sicher auch, jemanden in einer Disko finden können und müsste nicht den Weg über einen Chat gehen, waren wohl meine Gedanken.
Zu diesem Zeitpunkt dachte ich aber nur an ein lockeres Reden, sich mal kennen lernen.
Er war Handelsvertreter einer Zulieferungskette aus dem Lebensmittelsbereich, das hatte er mir am Telefon gesagt. An diesem Tag sollte er am Nachmittag nach München fliegen, so dass wir uns morgens treffen konnten.

Ich stieg in das Auto ein.
Dachte mir, ob er jetzt wohl merke, dass ich noch keine 19 bin?
Er fragte erst einmal, wie es mir gehe. Ich sagte wohl – etwas aufgeregt -, gut.
Dann sagte er, dass ich für 19 Jahre jung aussehen würde.
Ja, meinte ich, das kenne ich. Wenn ich in die Disko gehe, müsse ich regelmäßig meinen Ausweis zeigen.
– Ähm, das Problem habe ich allerdings noch immer, wenn ich mal statt Brille meine Kontaktlinsen, die ich fast immer drin habe, nutze. *lol* –
Das hatte er „geschluckt!“

Wir witzelten noch etwas darüber, dass es ihm auch mal so gegangen sei und so weiter. Er fragte mich, ob er mich küssen dürfe.
Oh je, wäre mir das damals in der City peinlich gewesen. Vor allem hatte ich Angst, dass mich jemand sehen könnte. So wiegelte ich mit der Begründung ab, dass ich es nicht wolle, weil – und da sagte ich die Wahrheit – ich Angst habe, mich könne jemand auf der Straße erkennen. Er verstand es.
Wir fuhren also los. Von der Hauptpost waren es ungefähr 5 Minuten, durch rote Ampeln und verstopfte Kreuzungen bis zu ihm. Ich weiß nicht mehr, was mir alles durch den Kopf ging. Was mir aufgefallen war und mir bis heute im Kopf geblieben ist, war so ein Kaffeegeruch an ihm. Na ja, er war eben ein „Büromensch“ im Außendienst. 😉

Die Ankunft

Wir kamen bei ihm an.
Er hatte eine Eigentumswohnung in einem Mehrfamilienhaus, von dem Parkplatz konnte ich Teile meiner Schule sehen.

„Oh je, wenn mich jetzt jemand von drüben sieht?“, dachte ich, „Was ist dann? Vielleicht wissen die ja, dass er schwul ist und was denken die dann von mir?“ – Damals war ich jedenfalls noch – sagen wir, keine Ahnung – sehr auf meinen Ruf bedacht. *lol* –
„Na,“ fragte er, „jetzt einen Kuss?“
„Ähm, nein, lass mal! Da hinten ist meine Schule“, sagte ich.

Ich dachte damals wirklich, dieses Verhalten von ihm gehöre dazu, obwohl ich das nie mit einem Mädel so offensiv getan hätte.
Okay, vielleicht haben wir uns auch nur falsch verstanden.
Ich beschrieb bereits, ich ging von einem lockeren Reden aus und das hätte es sein sollen.
Ich bin US-Ami, kein Sex vorm dritten Date. *lach* Das gilt übrigens im Grunde noch heute für mich.

Wir stieAnrufbeantwortergen aus und gingen in seine Wohnung, während er mir erklärte, dass dieses Haus seinem Vater gehöre und er darum eine Wohnung dort habe.
Sein Vater hätte am Anfang noch Probleme mit seiner Homosexualität gehabt, würde es aber akzeptieren können.
Zu seiner Mutter, die getrennt von seinem Vater lebe, wäre sein Verhältnis viel besser.

Ich trete in seine zwei Zimmerwohnung, die komplett, bis aufs Bad und Küche mit einem hellgrauen Teppich ausgelegt und mit weißen Tapeten tapeziert ist, ein.
Rechts im Flur steht ein kleiner brauner Schrank mit einer schwarzen Telefon-Faxkombination, daneben ein dunkler Anrufbeantworter, links ist eine Tür zur Küche und eine ins Bad. Geht man gerade durch, kommt man in sein Schlafzimmer, rechts ist eine Tür ins Wohnzimmer.
Da gehen wir zunächst hinein.
Hier findet sich eine Couch in L-Form und in beige Tönen, ein kleiner quadratischer Glastisch. In einer dunklen Schrank-Multimediakombination stehen der Fernseher, ein Sat- Receiver, eine Stereoanlage.

Stephan fragt, ob ich einen Kaffee haben möchte.
Eigentlich trank ich zu der Zeit keinen Kaffee, aber ich willigte schüchtern ein und bat darum, dass er mir Milch und Zucker rein tun möchte.
Er brachte mir und sich einen Kaffee.
Wir redeten zehn bis zwanzig Minuten über dies und das und über die Welt, ich weiß es heute nicht mehr, über was wir geredet haben, aber das folgende weiß ich noch ganz genau.

Das Schicksal nahm seinen Lauf

Er saß auf dieser Couch links neben mir und rückte immer etwas näher.
Ich habe immer noch den Duft des Kaffees in seinem Atem, wenn ich mich erinnerKonfer-Hennee, in der „Nase“.
Stephan hatte ein helles T-Shirt an, trug eine blaue Jeans von Levis, war ungefähr 1,75 Meter groß und damit noch rund 10 Zentimeter größer als ich damals (Mensch, war ich mal klein), er hatte dunkel-blonde, kurze Haare, blaue Augen.
Auf einmal saß er direkt neben mir.
Seine rechte Hand fuhr über mein Gesicht. Er sagte, ich sehe süß aus, ob er mir nun einen Kuss geben dürfte.
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, aber sagte wohl ja.
Er küsste mich auf den Mund, da hatte ich das erste Mal den Geschmack des Kaffees im Munde.
Ich weiß nicht, ab diesem Augenblick wird es zu einem Film für mich.
Stephan steht auf, er steht vor mir, fragt mich, ob ich meinen Kaffee bald aus habe.
Da ich eigentlich zu der Zeit keinen Kaffee mochte, tat ich mich schwer diesen zu trinken. Dazu war der Kaffee ziemlich stark gekocht.
Er führte weiter fort, dass wir uns doch nicht nur zum Kaffee getroffen hätten. Innerlich schlucke ich in diesem Augenblick.
„Haben wir nicht?!“, frage ich. Er denke nicht, antwortet er.
Ich weiß heute nicht mehr warum, aber ich denke, dass ich es damals einfach wissen wollte, ob ich wirklich schwul sei. Nein, in diesem Augenblick war ich einfach erregt, denke ich.
„Komm, steh auf“, bittet Stephan mich.
Ich stehe auf. Er steht vor mir, gibt mir einen Kuss. Es wird der wirklich erste Zungenkuss, den ich mit einem Mann haben werde.
Dabei fährt er unter mein, ich weiß es noch, ich trug ein rot/ blaues, Tennis- Shirt von Adidas – meinem Sponsor damals- und zieht es mir aus.
Ich lasse es geschehen, weil ich auch einfach nicht weiß, was ich machen soll. Ich kopiere das Geschehene und ziehe ihm sein T-Shirt aus.
Er presst mich an sich ran, küsst mich erneut und öffnet meine Hose, eine schwarze Diesel, jeden Knopf einzeln.
Ich versuche das gleiche bei ihm, und bleibe an seinem Knopf „stecken“. *lol* Wie peinlich, denke ich. Aber er macht es bei sich für mich.
Da stehe ich nun, fast nackt, nur noch bekleidet mit meiner Unterhose und Socken in seinem Wohnzimmer.
„Komm“, sagt er, „lass uns rüber gehen.“ Er meint sein Schlafzimmer.
Wir gehen in sein Schlafzimmer.
In diesem steht ein dunkler Schrank, über dessen ganzen vorderen Fläche vom Boden bis zum oberen Teil Spiegel an den Türen „erbreiten“. Ansonsten steht dort so ein Bett, das man wohl sonst auch, wenn es „eingeklappt“ ist, als Sofa nutzen könnte.
„Willst du deine restlichen Klamotten anbehalten? Brauchst du das, ist das ein Fetisch?“, fragt Stephan. Ich verneine es, weil ich es nicht brauche, ich habe keinen Fetisch.
„Leg dich hin“, sagt er. Was ich auch tat.
Stephan zieht mir die Underwear und die Socken aus.
Noch fühle ich mich gut. Ich bin aufgeregt, aber ich fühle mich gut.

Zu früh ist nicht zu spät

Er legt sich neben mich. Er küsst mich, es werden alles Zungenküsse, ziemlich andauernde.
Stephan sagt mir, dass ich sehr gut küsse, dass ihm das sehr gefallen würde.
Dann muss er mich so geküsst haben, dass ich in eines seiner Ohren sehen konnte.
Was ich nun sehe, „turned“ mich „off“. Es klingt lächerlich, aber ich bin so, er hatte die Ohren nicht richtig gewaschen, so dass ich Zerumen, zu Deutsch so genannten „Ohrenschmalz“ sah.
Ich werde mir bewusst, dass ich das, was ich mache, mir eigentlich zu viel ist, beginne nachzudenken.
Er versucht bei mir oralem Verkehr, ich kann nicht anhalten, ich versuche alles, aber ein kleines, kurzes stöhnendes „UPS“ und es passiert… *lol* Stephan ist etwas überrascht und ich glaube, dass er das in diesemHenne in grau Augenblick nicht gerade dahin wollte? Ich aber auch nicht… Jedenfalls musste er dieses Mal wohl, öhm, schlucken? xD
Nach dem „Schock“ küsst er mich wieder per Zunge. Ich schmecke wohl dieses Mal das erste Mal meinen Sperma.

Ab jetzt will ich nur noch, dass es vorbei geht.
Ich will weg, nach Hause, Hauptsache raus aus der Wohnung, weg von ihm. Er kann, na ja, bis für das Zerumen im Ohr nichts dafür, dass ich mir nun nicht mehr sicher bin.
Ich gucke auf eine Uhr, die ich im Zimmer über der Tür sehen kann. Sagte er nicht, er müsse bald zum Flieger?
Er versucht mich wieder zu erregen, aber er kann nicht, ich bin zu blockiert, weil ich weg will. Man ist mir das peinlich, aber irgendwie auch ganz recht. Ich versuche ihm den Tipp zu geben, dass sein Flieger aus Hamburg bald gehe.
Seine Antwort, er könne auch einen späteren nehmen. Das müsse nicht sein, meine ich, er solle sich keine Umstände machen. Ich sage das nicht ohne eine gewisse Eigennützigkeit, da ich das hier freundlich beenden wollte.
„Dann sollten wir jetzt noch duschen“, meint er. „Ja“, denke ich, „endlich, duschen und weg!“
Unter der Dusche sagt er mir, das nächste Mal wolle er es mir anal zeigen. Um nicht unhöflich zu sein, sage ich zunächst ja und weiß, dass es für mich kein nächstes Mal geben wird. Das möchte ich ihm aber lieber am Telefon oder per SMS sagen.
Nachdem duschen, ziehen wir uns wieder an. Wir gehen zu seinem Auto.

Der Weg zurück


In der Nähe dieses Dorfes habe ich einmal gewohnt
Auf dem Parkplatz vor seinem Haus versucht er mich noch einmal zu küssen, aber ich lehne ab. „Beim nächsten Mal“, sage ich.
Er fährt mich zu meinem Bus, ich wünsche ihm einen schönen Tag und Flug. Es ist ungewöhnlich, dass ich nicht unseren Chauffeur habe, aber das hatte ich so für diesen Tag eingerichtet.

Die Fahrt mit dem Bus wird eine sehr nachdenkliche.
Mir ist so schlecht, wie nie zu vor. Ich setzte mich in die letzte Reihe im Bus. Ich möchte am liebsten Spucken. Ich hatte bis dahin noch gar keinen Sex gehabt, weder mit einem Mädel, schon gar nicht mit einem Mann.
Mein Gedanke war, vielleicht bräuchte ich jetzt Sex mit einem Mädel, sofort! Ich hatte an dem Tag keinen Sex mit einem Mädel, den sollte ich erst später haben. Es blieb mit Mädels noch lange nur beim Küssen. ^^
Der Bus hält zu dieser Uhrzeit fast vor unserem Haus, ich muss nur 5 Minuten zu fuß gehen.
Als ich nach Hause komme, sind wie üblich nur Hausangestellte im Haus und unsere Nanny, die für meinen kleinen Bruder Phill, damals war er noch 9 Jahre alt und mich, na ja, für mich nur noch bedingt, da war.
Weil ich auch nicht gesagt hatte, dass an diesem Tag Unterricht ausfällt, fragt mich die Nanny, warum ich nicht den Chauffeur bestellt hätte, wieso ich mit dem Bus gekommen wäre. Ich sähe ja furchtbar blass aus. So sah ich nicht nur aus, ich fühlte mich auch zum Spucken übel.
Der Nanny sagte ich, dass ich mich nicht gut gefühlt habe in der Schule und darum mit dem Bus gefahren sei. Könnte wohl sein, dass ich krank werde, meinte ich kurz. Ich würde mich jetzt etwas hinlegen und dann ginge es mir bestimmt besser.
Sofort lief ich hoch, erst einmal ins Badezimmer.
Ich hatte das dringende Bedürfnis meine Zähne zu putzen. Ich musste den Geschmack aus dem Mund loswerden, den Geschmack vom Kaffee und von dem Sperma, den ich meinte, trotz Kaugummis, die ich im Bus gekaut habe, zu schmecken.
Außerdem hatte ich noch einmal das Bedürfnis zu duschen, um mir das alles „abzuwaschen“. Danach wollte ich sofort Melly anrufen.
Ich wollte jemanden sagen, was an diesem Morgen geschehen ist, aber Melly war nicht zu Hause und am Ende war ich auch froh, dass niemand diese Geschichte kannte.

Wer weiß, wenn Melly sie damals schon gewusst hätte, egal…
Sie war an diesem Tag nicht zu hause, so zog ich mich in mein Zimmer zurück und bald wieder auf die Toilette.
Ich musste spucken, das musste ich an diesem Tag noch sehr oft. Zwar fragten Dad und Mom, was los sei, aber ich sagte ihnen nichts.

Hätten sie von diesem Tag erfahren, dann hätte es wohl ein riesen Ärger gegeben, denn ich habe wohl so ziemlich alles falsch gemacht an diesem Tag.
Angefangen, dass ich mich älter gemacht habe, als ich war, dass ich niemanden von dem Treffen erzählt habe, dass ich blauäugig in sein Auto einstieg, dass ich in seine Wohnung mitging, ohne dass nur ein Mensch wusste, wo ich war. – So ganz richtig ist das nicht. Ich hatte eine Nachricht für den Notfall platziert in meinem Zimmer, dass man hätte ahnen können, wenn was passiert wäre, dass was passiert ist. Nur dass einer die findet, hätte vielleicht auch daneben gehen können.
Also macht es niemals so nach!

EHendrik im Jahr 2008s ist gut gegangen. Stephan war nett zu mir.
Hätte ich „Stopp“ gesagt, dann hätte, er auch aufgehört, da bin ich mir sicher. Er hat auch sicher bemerkt, wie unangenehm mir diese Situation war, er hat ja aufgehört. Es hätte aber auch alles anders laufen können!

Wenn ihr euch trefft, dann macht es an einem öffentlichen Platz, am Besten habt ihr jemanden dabei, wenn der zu treffende es ernst meint, wird es ihm auch nichts ausmachen, dass ihr zu dritt seid.
Sagt zumindest jemanden bescheid, dass ihr euch mit jemanden trefft.
Trefft euch nie gleich bei der Person zu hause, oder lasst sie zu euch. Es gibt immer Irre auf dieser Welt!
Steigt auf keinen Fall so arglos bzw. naiv in ein fremdes Auto wie ich. Mein Date hätte auch ein „Geistesgestörter“ sein können und ich heute 1,80 Meter unter der Erde sein können. 😉

Dieser Tag hat lange mein Weltbild bestimmt. Ich war mir ab diesem Tag zunächst sicher, nie schwul sein zu können. Ich wollte diesen Montag für immer vergessen. – Hatte ich auch bis vorkurzem.

Diesen Tag habe ich verdrängt, habe mein „erstes Mal“ in der Toskana lieber als „das erste Mal“ gesehen, bis ich einen kleinen Brief, den ich damals geschrieben habe, wieder fand. Der hat mich noch einmal daran erinnert, dass mein richtiges „erstes Mal“ weit zu vor war.

Das erste Mal mit Chris in der Toskana war viel schöner und darum bleibt es auch mein wirkliches „erstes Mal“, denn das habe ich genossen.

*1)Gym“ ist bei uns Umgangssprache und steht für Gymnasium; nicht „Gym“, wie Fitnessstudio
*2) die Namen wurden von der „Redaktion“ teilweise geändert (Persönlichkeitsschutz) :-)
*3) die verwendeten Bilder sind nicht von der Kursfahrt, oder dem ersten Treffen. Vom ersten Treffen gab es keine Fotos und zur Kursfahrt, dort ist uns die Chip-Card der Digi-Cam nach der Fahrt verloren gegangen oder ist verschwunden. Sollte der Chip wieder auftauchen, werde ich die Bilder durch unsere austauschen. (Ach ja, sollte ihn jemand von der Kursfahrt haben, schickt mir eine Kopie von der Karte)
*4) Bezeichnung von Schulklassenstufen an einem alt- sprachlichem Gymnasium; Quarta = 7. Klasse, (Unter)Sekunda = 10. Klasse

  • Amy

    Deinen Mut, das aufzuschreiben und allen zu präsentieren, möchte ich haben!