NYC-Hennes-Welt

Wir sind Deine Mitmachcommunity und Blog aus den Bereichen Lifestyle, Emo, Musik, Technik, Gay- und Bi-Themen und mehr! 

Manche Menschen sind für einen wie die Eltern

Friedhof in Queens mit Blick auf ManhattanIch bin jetzt erwachsen und doch gibt es Dinge, die ich nie verstehen werde, so zum Beispiel den Tod eines Menschen. Vor allem der Tod von Menschen, die mir sehr nahe standen, so wie den von meiner Tante.Vor vier Jahren verstarb ihr Sohn, mein Cousin, der so ist, wie mein ganz großer Bruder.
Es brach für mich eine Welt zusammen. Als ich es erfuhr, habe ich eine Stunde unentwegt geweint.
Bei meiner Tante war es wieder so.

Ich höre im Gedanke ihre Stimme, während ich dieses schreibe.

Meine Tante ist ein ganz besonderer Mensch in meiner Vita.
Als ich ein Baby war, hat sie auf mich aufgepasst. Ich habe bei ihr das Laufen gelernt.
Sie war es, die mich in den Arm nahm, wenn ich geweint habe.
Sie hat mich getröstet.

Ellen hatte immer Verständnis für mich.

Einige haben gesagt, sie sei kalt.
- Nein, Ellen, war nie kalt. Sie konnte nur nicht jedem ihre Gefühle so zeigen. Wenn es ihr schlecht ging, dann hat sie es geschluckt und lieber nichts gesagt.

Bei Ellen habe ich nicht nur Laufen gelernt

Ich habe eine kleine Narbe in der Mitte meiner Stirn.
Man sah diese Narbe, als ich noch kleiner war, ganz deutlich.
Jetzt sieht man sie nur noch, wenn ich im Sommer etwas Sonne abbekommen habe.
Diese Narbe habe ich in ihrem Haus bekommen. Es war in der Zeit, in der ich laufen lernte.
Ich habe es wohl etwas übertrieben beim Laufen, dabei bin ich dann, wie es für Kinder oft üblich ist, nach vorne gefallen. Leider war in meiner Fallrichtung eine Heizung. Auf diese bin ich dann gefallen und es hat geblutet. Meine Tante und meine Mom brachten mich dann zu einem Arzt, der die Stelle nähte.

Diese Geschichte, die ich hier nur in Kurzform wiedergebe, höre ich noch immer und ich höre sie gerne.

Bei meiner Tante habe ich gelernt, dass es keinen Weihnachtsmann gibt

Ich glaube, ich war vier oder fünf. Meine Eltern wollten bei meiner Tante in den USA mit uns Kindern ein europäisches Weihnachten feiern, das heißt, der Weihnachtsmann kam schon am Heiligenabend zu uns Kindern.

Da aber kein Weihnachtsmann aufzutreiben war, warum es auch immer so war, musste mein Paps in das Kostüm steigen. Leider hatte er vergessen, die Schuhe zu wechseln.
Als der Weihnachtsmann hinein kam, erkannte ich sofort meinen Pa an den Schuhen und sagte: „Du bist nicht der Weihnachtsmann. Du bist mein Dad. Du hast seine Schuhe.“
Alle waren irritiert und meine Tante sagte zu mir: „Hendrik, das ist nicht Dein Paps, das ist der Weihnachtsmann. Er hat nur gleichen Schuhe an.“

Ich habe es nicht geglaubt und von da an wusste ich, es gibt den Weihnachtsmann nicht mehr.

Über diese Geschichte haben wir, als ich älter wurde, noch oft gelacht.

Du warst bei mir

Sie hat mich damals auch mit meiner Mom und Dad voller Sorge in das Krankenhaus begleitet, als mit einem Fieberkrampf in meinem Kinderbettchen lag.

Als ich älter wurde und an mir zweifelte, hast Du mir, Tante Ellen, gezeigt, dass es keinen Grund zu zweifeln an mir gab.
Du hast mir verständlich gemacht, dass ich stark bin und dass ich es wert sei zu leben.

Du kanntest die Probleme zwischen meinen Eltern. Wie so üblich in der Familie von Dad ist, Du bist schließlich seine Schwester, hast Du mich in den Arm genommen und getröstet, wenn es zu viel wurde.
Du warst für mich da.

Vor ein paar Jahren hast Du und in Deutschland besucht.
Da kam dieser Mensch, der ein Problem mit Daddy hatte, wütend in unser Haus.
Damals waren Du und Mom alleine im Haus.
Ich kam nach Hause und sah diesen Menschen.
Weißt Du, welche Angst ich um Euch in unserem Haus hatte?

Ich rief die Polizei. Als den Mann ablenkte, musst Du Dich auf eine der Toilette geflüchtet haben, zum Glück.
Mom konnte sich aus dem Haus retten.
Kurz darauf kam die Polizei und nahm den Mann fest.

Weißt Du, wie froh ich war, dass Du Dich auf die Toilette flüchten konntest.

- Auch wenn Du die eine Sache nicht verstehen konntest, es war gut so, dass ich es tat.


Menschen gehen manchmal einfach so

Vor drei Jahren verstarb dann Dein Sohn, Bonny.
Du hast es nie überwinden können, dass Bonny nicht mehr lebte.
Aber Du hast es Dir nicht bei jedem anmerken lassen.
Ellen, die Menschen, die Dich geliebt haben, merkten es!

Wir alle haben es nicht verstanden, dass Bonny auf einmal nicht mehr da war.

Ich bin beeindruckt, wie Du die HEuchler an dem Grab Deines Sohnes so ertragen konntest. Ich glaube, Du hast sie nicht hören können.

Du hast es sicher nicht immer einfach mit Bonny gehabt, aber Du hast zu ihm gestanden, wie nur eine Mutter zu ihrem Sohn stehen kann.

Doch warum Bonny gehen musste, wissen wir ebenso wenig, wie wir es heute bei Dir wissen.

Wenn Mom Probleme mit Dad hatte, konnte sie sich vertrauensvoll an Dich wenden, so wie Du es machtest, wenn Du Probleme mit Deinem Mann hattest.

Wir haben jeden zweiten Freitag telefoniert

Wir zwei haben jeden zweiten Freitag gegen 14 Uhr, telefoniert,
wenn ich Schulschluss hatte und Du in New York gerade gefrühstückt hast
Alle vierzehn Tage haben wir das an einem Samstag getan
Das Telefon blieb niemals still
Doch dieses Mal da blieb es still

Diesen Freitag hättest Du auch anrufen sollen,
doch das Telefon blieb still
Ich machte mir schon Sorgen, dass etwas nicht stimmen könnte
Ich wartete auf das Klingeln,
doch das Telefon blieb still

Um 15 Uhr konnte ich nicht mehr warten,
denn das Telefon blieb still
Ich rief bei Dir an, Dein Mann ging an das Telefon
Er sagte völlig verstört, er hätte Dich soeben tot gefunden
Das Telefon bleibt für immer still

Nein, ich konnte es nicht glauben und begann zu weinen
Das Telefon bleibt still
Du kannst nicht tot sein, Du musst doch anrufen
So viel blieb zwischen uns unausgesprochen
Doch das Telefon bleibt still

Lange habe ich an diesem Tag um Dich geweint.

Ich rieche Dein Parfum, sehe Deine roten Haare, die ich so mit Dir verbinde.

Warum musstest Du nur sterben?

Ich hoffe, Du bist jetzt bei Deinem geliebten Sohn und ihr seid wieder vereint!


Liebe Tante Ellen,
mache es gut da oben, wo Du jetzt bist.

Denke mit einem Lächeln an uns hier unten!

Auch wenn Du es zu letzt nicht immer glauben konntest, ich habe NIE etwas gegen Dich gehabt.
Nein, ich habe Dich geliebt.
Doch blieb das unausgesprochen.

Ich habe leider keine Fotos von Dir, aber ich habe etwas, das Du mir kürzlich geschenkt hast,
ich werde es für immer im Gedanken an Dich behalten und pflegen.

Danke Ellen, dass es Dich gab!

* 28. August 1946, New York, NY
+ 15. Mai 2008, New York, NY

Dein

Hendrik

Wir sehen uns wieder

Beiträge, die dich auch interessieren könnten:

Teile es mit:
  • Print
  • PDF
  • Add to favorites
  • email
  • Yigg
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Live
  • Yahoo! Buzz
  • MySpace
  • Digg
  • LinkedIn
  • Webnews.de
  • StumbleUpon
  • del.icio.us
  • MisterWong.DE
  • Ping.fm
  • Posterous
  • Tumblr
  • Technorati
  • Reddit
  • Wikio

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*

eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.

NYC-Hennes-Welt distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der Kommentatoren wieder.

ebay Auktion Item 250614357877